Navajoa – eine interessante nordamerikanische Gattung

Ich mag frostharte nordamerikanische Gattungen. In erster Linie interessiere ich mich für die Gattung Navajoa. Dies sind kleine kugelförmige Kakteen, deren Heimat in Nordarizona ist. Die Pflanzen sind von weißen bis bräunlichen Korkdorne geschmückt, die hohl sind und zur Tauaufnahme dienen. Die Hauptvegetationsperiode ist kurz und fällt in die Frühjahrsmonate. In dieser Zeit blühen die Pflanzen mit gelben, schmutzig weißen oder leicht rosagefärbten Blüten und kurz nach dem Abblühen bilden sich Früchte, die während des Ausreifens in Längsrichtung platzen. In dieser Zeit müssen die Samen ein paarmal pro Tag eingesammelt werden. Die Samen sind relativ groß. Sie keimen aber nicht so einfach. Sie können sie durch eine Anwärmung auf dem Radiator oder im Offen bei 60˚ C vor der Aussaat, durch ein Bad im Peroxid oder in einer Säure zum Keimen bringen. Ein früher empfohlenes Überfrieren der Aussaat sehe ich als nicht so wirksam an. Für die zuverlässigste Methode halte ich die Skarifikation. Auf diese Weise ist es mir einmal gelungen, aus 120 ausgesäten Samen, 120 Sämlinge zu gewinnen (dazu gezählt habe ich jedoch nicht die Samen, die ich durch die unvorsichtige Manipulation vernichtet habe).

Navajoas sind für verschiedene Bodenpilzen anfällig und deshalb empfehle ich, wenigstens die ersten Exemplare in Ihrer Sammlung für die Nachzuchtsicherung zu pfropfen. Für junge Sämlinge sind Peireskiopsis, Selenicereus oder Echinopsis als zeitweilige Unterlage geeignet. In der letzten Zeit propfe ich meistens auf Echinopsis.
Das Wachstum ist zwar ein wenig langsamer, ich sehe darin aber keinen Nachteil. Als dauerhafte Unterlagen benutze ich frostharte Echinocereus - reichenbachii, viridiforus var. cylindricus oder triglochidiatus. Die Unterlagen schrumpfen mit der Zeit unter dem Pfröpfling  und sehen danach vollkommen natürlich aus als ob sie wurzelecht wären. Es ist besser, kleine Ableger auf kleine Echinocereus zu propfen. Denn auf dieser Weise behalten die Pflanzen eher ihren Miniaturhabitus .
Ableger, die auf Peireskiopsis gepfropft wurden, wachsen manchmal zu schnell über die richtige Größe hinaus und nach dem Umpfropfen sehen sie bald unförmig aus. Die beste Zeit zum Pfropfen ist der baldige Frühling, wenn die Unterlagen schon genug Wasser aufgenommen haben. Nach dem Pfropfen muss man die Echinocereen nicht viel gießen, damit sie nicht zu viel Wasser aufnehmen. Eventuelle Ableger schneiden wir sofort ab. Während der Sommervegetationsruhe (Mitte Juni bis Ende August) ist es nicht nötig die Pflanzen zu gießen.
Wenn wir schon genug Sämlinge gepfropft haben, können wir es versuchen, aus den Samen wurzelechte Pflanzen zu ziehen. Ich mache schon seit längerer Zeit mehr oder weniger erfolgreiche Versuche wurzelechte Pflanzen zu bekommen. Aber die paar Pflanzen, die überlebt haben, halte ich für die schönsten. Kritisch ist eigentlich die gesamte Lebensdauer der Pflanze. Vor allem müssen die Wachstums- und Ruheperioden berücksichtig werden.  Am kritischsten erscheint mir das Umseten der Pflanzen. Der beste Termin dafür ist das Winterende, wenn es noch nicht zu heiß ist und die Pflanzen dann in der Lage sind, während der Wachstumssaison im Frühjahr anzuwurzeln. Wenn wir die Pflanzen später versetzen, ist es schon zu warm, die Pflanze unterbricht die Vegetation und das Gießen kann sie umbringen.
Den Standort für Navajoa wählen wir möglichst sonnig, aber gut gelüftet. Geeignet ist auch eine freie Kultur,  wenn die Pflanzen vor langdauerndem Regen geschützt werden. Die einzigartige Eigenschaft der Dorne ist zwar im sonnigen Arizona günstig, aber nicht mehr bei hiesigem feuchtem Klima. Die hygroskopischen Dorne nehmen immer das Wasser aus der Luft auf und danach bilden sich unschöne schwarze Punkte des Ruß-Pilzes. Dieser schadet den Pflanzen zwar nicht direkt, aber die Pflanzen sehen nicht mehr so schön aus. Vor einem Jahr habe ich die Spritzung mit Orthocid versucht, aber eine markante Verbesserung habe ich nicht festgestellt. Pflanzen, die außerhalb eines Glashauses gepflegt werden, haben weniger mit solchen Problemen zu kämpfen.
Auf den ersten Blick sehen alle Navajoas fast gleich aus. Die Unterschiede bei Pflanzen von verschiedenen Standorten sind doch bald sichtbar, obwohl die Variabilität der Pflanzen aus einem Fundort beträchtlich ist.

In meiner Sammlung habe ich folgende Navajoas:

  • N. peeblesiana Holbrook, Az – kurze, dickere, gelbliche, am Anfang vor allem nur mäßig vertrackte Seitendorne, eine leicht rosa Blüte
  • N. peeblesiana SB 571Navajo Co, Az – ebenso, die Dorne sind länger
  • N. peeblesiana FH 053.1 Marcou Mesa, Az – ebenso, mehr robust, Dorne sind weiß und mehr vertrackt
  • N. peeblesiana v. fickeisenii FH 051.0 Hurricane Cliffs, Az – klein und kompakt, kurze Seitendorne, kürzere gerade Stacheln in der Mitte, die aufwärts gerichtet sind, eine schmutzig weiße bis gelbe Blüte
  • N. peeblesiana v. fickeisenii FH 051.2 Wolf Hole, Az – ebenso, einfachgekrümmte Dorne in der Mitte
  • N. peeblesiana v. fickeisenii RP 145 Mohave Co, Az – ebenso, wahrscheinlich die gleiche Lokalität
  • N. peeblesiana v. fickeisenii SB 468 Fredonia, Az - in der Mitte lange, weiße Dorne, über dem Gipfel verflochten, kurze und dünne Seitendorne, eine gelbe Blüte
  • N. peeblesiana v. fickeisenii SB 903 Houserock Valley, Az – der Körper mehr robust, Dorne in der Mitte und auf den Seiten sind dick und grauweiß, eine schmutzig weiße Blüte (durch die dicken Seitendorne unterscheidet sich von den anderen Fickeisenii)
  • N. peeblesiana v. maia südlich von Cameron, Az – weiße kürzere Dorne, Dorne in der Mitte sind einfachgekrümmt und nach oben zu dem Körper gedrückt, die Blüte ist gelb
  • N. peeblesiana v. maia JB 6 nördlich von Cameron, Az – gelbliche, dünne, zu dem Körper gedrückte Dorne, eine schmutzig weiße bis gelbe Blüte
  • N. peeblesiana v. menzelii JB 2 südlich von Grand Canyon, Az – gelbe dicke Dorne auf den Seiten und auch in der Mitte sind von dem Körper gerichtet, die Blüte ist schmutzig weiß mit einem bräunlichen Zentralstreifen
  • N. peeblesiana v. menzelii RP 116 Hualupai Hilltop Area, Az – ebenso, weiße, dicke, mehr zu dem Körper verdrehte Dorne
  • N. peeblesiana v. menzelii RP 117 Coconino Plateau, Az – ebenso, Dorne sind länger, dünner, gelblich, mäßig durchgebogen, über dem Gipfel verflochten.

Nach Fritz Hochstätter vertritt die Gattung Navajoa nur eine Art – Peeblesiana mit drei Unterarten: ssp. peeblesiana, ssp. menzelii und ssp. fickeiseniorum. Dieser Autor hält N. maia für ein Synonym N. peeblesiana ssp. peeblesiana. Meiner Meinung nach hat diese aber näher zu ssp. fickeiseniorum.
Einige Autoren ordnen Navajoa in die Gattung Pediocactus, wohin sie mit den ähnlichen Blüten, Früchten und auch Samen sehr gut passen.
Alle Navajoa sind in ihrer Heimat sehr selten und sie befinden sich als bedrohte Arten im Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES, Anhang I.

die Skarifikation - Die Ablösung eines Teiles der Samenschale

Home Site-Map Zum Seitenanfang

Copyright © 2012 - 2019 Hájek kaktusy.cz - Nordamerikanische und mexikanische Pflanzen | Cactus e-shop